Zeitzeugenstimmen

In Vorbereitung auf den Gedenk- und Friedensgottesdienst in der Ludgeri-Kirche Norden am 29. August 2021 traf Pastorin Ulrike Kirschstein das Ehepaar Victor und Ella Ebel. Die beiden erzählen im Interview von der Deportation ihrer wolgadeutschen Familien nach Sibirien. Nachfolgend finden Sie ausgewählte Ausschnitte für die Nutzung im Gottesdienst. Außerdem finden Sie den gesamten Mitschnitt des Gesprächs. Während des Interviews am 28. Juni 2021 war auch die Tochter des Ehepaars Ebel, Olga Gessler, anwesend.

Vielleicht gibt es ja auch in Ihrer Gemeinde noch Zeitzeugen, die von der Deportation und dem Leben in der Arbeitsarmee berichten können, oder Mitglieder aus russlanddeutschen Familien, die erzählen können, wie in ihrer Familie die Erinnerung an diese Zeit wachgehalten worden ist. Und vielleicht sind sie bereit, in einem Gottesdienst oder einer Gemeindeveranstaltung ihre Erinnerungen zu teilen .
Quelle: U. Kirschstein
Ella und Victor Ebel mit ihrer Tochter Olga Gessler (l.)

"Was man tragen konnte"

Victor Ebel erinnert sich daran, was die Wolgadeutschen während der Deportation mitnehmen durften

"Dann hat das Elend angefangen"

Ella Ebel erinnert sich an die Unterbringung in Sibirien - vier Familien mit Kindern teilten sich einen Raum

Eingezogen in die Trudarmee

Olga Gessler erzählt, dass die Nachbarin der Großmutter zur Zwangsarbeit herangezogen wurde

"Nur Gotteslieder gesungen"

Ella Ebel erinnert sich daran, dass die Frauen abends gemeinsam gestrickt, gesungen und geweint haben

"Der liebe Gott hilft euch und er hat mir einen Sinn gegeben, dass auch ich euch helfe"

Nach dem Tod der Mutter in Sibirien erhielten Ella Ebel und ihre Geschwister Hilfe von der Familie eines gläubigen Russen

Zehn Jahre Haft für einen Eimer Weizen

Olga Gessler erzählt, dass ihr Onkel im Alter von 17 Jahren zu zehn Jahren Arbeitshaft verurteilt wurde, da er einen Eimer Weizen gestohlen hatte. Nach dem Tod Stalins 1953 wurde die Haftzeit auf 5 Jahre verkürzt

Langfassung des Audiointerviews

Interviewerin: Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden