Gottesdienstbausteine

Eingangsgebet

Gott,
du schenkst uns einen neuen Morgen.
Frisch ist noch alles zu Beginn dieses Sonntags.
Was der Tag wohl bringen mag?
 
Wir sind hier, um uns zu vergewissern:
Du bist an unserer Seite!
Wir sind hier, um dir „Danke“ zu sagen!
 
Guter Gott, wir bringen Altes und Schweres mit hierher. Die Spuren der Geschichte sind gezogen; sie haben sich eingegraben in Bildern, in Gerüchen, in Erinnerungen. Manches wird nie vergessen sein.
 
Guter Gott, wir bringen auch viel Fröhliches und Gelungenes mit hierher. Wir erinnern uns an gute Menschen, an ihre warmen, helfenden Hände. Wir schmecken die Reife der Früchte der Erde, die vor  Hunger und Not bewahren.
 
Guter Gott, wir sind hier!
Wir danken dir für das Leben, für das Heute und das Morgen.
Amen
 
 (gestaltet von Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)

Kyrie und Gloria

Gott, wir bringen unsere Klagen vor dich:
ungeduldig krallen wir uns an den alten Worten der Verheißung fest;
sie sagen, dass du das Elend deiner Menschen siehst und hörst…
Wir suchen deine  Spuren in all unseren Verletzungen.
Wir finden sie nicht. Deshalb fragen wir: Wo bist du?
Gott, erbarme dich!
Kyrie, Kyrie… (EG 789.6)
 
Gott, wir bringen unsere Klagen vor dich:
ungeduldig krallen wir uns an deinem Sohn fest;
er ist der Heiland und gekommen zu suchen und zu finden, was verloren ist.
Aber das Leben Vieler lebt sich auch ohne ihn – das schmerzt und macht verzweifelt.
Wie können wir die Ohren und die Herzen unserer Kinder öffnen?
Gott, erbarme dich!
Kyrie, Kyrie…
 
Gott, wir klagen und suchen nach dem Geist der Freiheit.
Wo ist seine Lebendigkeit in unserem Leben?
Wo ist seine erlösende Gegenwart?
Wo sind Zuversicht und Trost?
Gott, erbarme dich!
Kyrie, Kyrie...
 
 
Hinführend zu Gloria
 
Gott, deine Worte des Lichtes
erhellen unsere Herzen und unsere Gesichter.
Sie werfen ihre Strahlen
hinter den dunklen Horizont.
Du schenkst Frieden auf Erden.
Das macht uns fröhlich und frei.
Mit dir an der Seite können wir gestalten, was dem Leben dient und Versöhnung möglich macht.
 
Gloria, gloria, in excelsis deo
 
(Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)

Psalmlesung

Psalm 42 i. A. nach Peter Spangenberg „Höre meine Stimme“:
 
Wie trockenes Land sich nach erlösendem Regen sehnt,
so sehne ich mich nach Gott;
ich möchte seine Wunder aufsaugen
wie ein trockener Schwamm,
weil das Leben dann Farbe bekommt.
Aber ob ich Gott jemals richtig zu Gesicht bekomme?
Ich kann kein Bild von ihm bei mir tragen,
um es denen zu zeigen, die fragen;
Sag mal, wo ist er denn, dein Gott? Wie sieht er aus?
Dann will ich mich daran erinnern,
wie ich mit vielen andern zusammen in der Kirche,
in der Messe, im Gottesdienst Feste gefeiert habe,
die nur so strahlten von der Herzlichkeit Gottes.
Warum also traurig sein über solche Fragen?!
Ich jedenfalls werde Gott danken,
dass er meinen Blick schärft für den Sinn des Lebens.
Trotzdem ist es manchmal so, als würde ich ertrinken
in der Flut der Eindrücke und in den Wogen der Probleme.
Wenn ich morgens aufstehe,
begegne ich einem taufrischen Tag,
und ich spüre: Den hat Gott mir geschenkt.
Abends singe ich zuweilen ein Lied,
das tut gut, und ich bete.
Ich sage zu Gott der mich trägt:
Hast du mich vergessen?
Warum frage ich das nur? Warum bin ich dann so unruhig?
Ich habe Zeit und Geduld und werde Gott immer danken,
dass er mir ein Ziel gibt und zu mir hält.
 
(Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)

Heilungsgebet

Sprecher 1: Gott, vor dir klagen wir über alles Unrecht, über Hass und Gewalt, die die Menschen in der Sowjetunion, Russen, Deutsche und Angehörige vieler Völker, erlitten haben. Manchmal möchten wir stumm bleiben und nicht erinnert werden. Aber Erinnerung ist notwendig, damit unser Gewissen geschärft und wir uns mahnen lassen, wenn die Kälte des Herzens nach uns greift. Gemeinsam bitten wir dich:
 
G       Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. 
 
Sprecher 2: Gott, wir erschrecken, wenn wir hören, wie schnell Menschen zu Tätern werden können, wenn sie menschenverachtenden Ideologien aufsitzen, wenn sie nur an ihr Wohlergehen denken oder gleichgültig Befehle ausüben. Wir haben Angst, dass die Geschichte sich wiederholt, wir fürchten, dass unverbesserliche und unbelehrbare Menschen rücksichtslos Gewalt anwenden, um ihre Ziele durchzusetzen. Gemeinsam bitten wir dich:
 
G       Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.
 
P        Gott, wir erleben immer wieder, dass Leid aufgerechnet oder klein geredet wird. Wir klagen über jeden frühen Tod, über jedes abgebrochene Leben. Wir wollen die Anfänge von Irrwegen und Ursachen von Schuld erkennen, damit wir einen neuen Weg in eine befreite Zukunft finden. Hilf uns, wach zu bleiben und den Anfängen zu widerstehen und Leben in Gerechtigkeit und Frieden einzuüben. Gemeinsam bitten wir dich:
 
G       Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.

Fürbitten

Fürbitte I

Guter Gott,
als Schwestern und Brüder beten wir miteinander und füreinander.
Du verbindest uns, ganz gleich, wo wir herkommen und was wir mitbringen.
Du willst, dass wir uns annehmen, wie wir sind – so, wie Christus uns angenommen hat.
 
Wir bitten dich um offene Ohren füreinander, dass wir zuhören und verstehen, dass wir mitfühlen und einstehen füreinander.
 
Wir bitten dich, dass wir offen aufeinander zugehen – immer wieder neu. Lass uns Einladungen annehmen und unsererseits Einladende sein. Gemeinsam an einem Tisch mit den Nachbarn und anderen – darum bitten wir dich.
 
Wir bitten dich, guter Gott, dass wir einander zu verstehen suchen. Manchmal brauchen wir Geduld zum Verstehen. Schenke uns miteinander die Ruhe für Worte, die wir suchen oder die uns fremd sind.
 
Wir beten auch dafür, guter Gott, dass der Glaube an dich weitergegeben wird. Menschen haben so Vieles im Vertrauen an Dich überstanden. Immer hast du sie getragen und getröstet. Sie haben gewusst: Du bist da, du bist an der Seite, du gehst alle Wege mit. Du hast geholfen in der Not – davon wollen wir weitererzählen.
 
Was uns alle verbindet, das sind diese Worte, die dein Sohn uns mitgegeben hat. Wir beten gemeinsam:
Vater unser...

 (Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)

Fürbitte II

L        Gott, du Quelle des Lebens! An dich wenden wir uns mit allem, was uns bewegt: mit unserer Trauer, mit unserem Dank und unserer Hoffnung. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

S1      Gott, du weißt um uns Menschen und die Unmenschlichkeit, die Krieg und Unterdrückung, Gewalt und Terror hervorbringen können. Du kennst all das Elend, das Frauen, Männer und Kinder erleiden. Hilf uns, mit diesen Erinnerungen behutsam umzugehen, dass wir trauern können und unsere Trauer nicht in Hass und Verbitterung umschlägt. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

S2      Gott, wir danken dir für jedes bewahrte Leben, für jede Geste der Menschlichkeit, die damals Leben gestärkt und gerettet hat. 

Hilf uns, in unserer Zeit Leben zu stärken und zu bewahren. Dass wir auf Menschen achten, deren Leben bedroht ist. Wir denken an Asylbewerber, Obdachlose, behinderte Menschen. Wir denken an Menschen, die den Lebensmut verloren haben. Wir denken an Menschen, die neu in unser Land kommen. 

Verhindere, dass sich unsere Herzen in Kälte und Überheblichkeit verschließen. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

S3      Gott, du hast uns deine Gemeinschaft, die Kirche, geschenkt.

Lass unsere Kirchengemeinden zu Orten werden, an denen wir einander wahrnehmen und annehmen so, wie wir sind: mit unseren unterschiedlichen Lebensläufen und Prägungen, mit unseren Ängsten und Hoffnungen. Schenke uns Geduld und einen langen Atem miteinander. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

S4      Gott, du hast uns aufgetragen, der Stadt Bestes zu suchen und für sie zu beten. 

Hilf den politisch Verantwortlichen, dass sie aufrichtig reden, weise entscheiden und gerecht handeln, damit alle Menschen in unserer Gesellschaft in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit miteinander leben können. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

S5      Gott, du hast uns Gedanken des Friedens verheißen.

Hilf uns, unseren Beitrag zu einem friedlichen Miteinander zu leisten: in unseren Familien, in unseren Schulen, in unserer Nachbarschaft, an unserem Arbeitsplatz, zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen, zwischen Völkern, Nationen und Religionen.

Ermutige uns, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen. Gemeinsam bitten wir:

G       Hilf uns, in Frieden zu leben.

L        Wir danken dir für die Freiheit, in der wir leben.

Wir danken dir für das tägliche Brot, das wir reichlich haben. 
Wir danken dir für das Evangelium, das wir hören dürfen.
Wir danken dir für die vielen Möglichkeiten, unser Leben in deinem Sinne zu gestalten. 
Gemeinsam beten wir, wie Jesus Christus uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser ...

Liedvorschläge

Aus den Lebensweisen:
- LW 89 Wie ein Fest nach langer Trauer … so ist Versöhnung
- LW 85 Wo Menschen sich vergessen
- LW 42 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich leb
 
Aus den Freitönen:
- FT 1 Du bist ein Gott, der mich anschaut
- FT 80 (Kanon) Lobe den Herrn, meine Seele
- FT 112 Anker in der Zeit
 
Aus dem Evangelischen Gesangbuch:
- EG 369 Wer nur den lieben Gott lässt walten
- EG  361 Befiehl du deine Wege
- EG 362 Ein feste Burg ist unser Gott
- EG 321 Nun danket alle Gott
 
(Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)

Auf den Anlass bezogene Texte

1. Eine Sequenz aus der Leningrader Symphonie, 7. Symphony in C Major, Op. 60 von Dmitri Schostakowitsch, die aufwühlende und patriotische Siebte – über Spotify beispielsweise einspielbar – zu Gehör bringen. Dies könnte zu Beginn des Gottesdienstes passieren.

Dazu aus dem Buch „Sibiriens vergessene Klaviere“ von Sophy Roberts, Wien 2020, dieser Text/diese Information (S. 228f)
„Aus dem belagerten Leningrad selbst, das wussten die sowjetischen Behörden, würde diese Musik am grandiosesten klingen…. In der Stadt waren bereits 1700 Lautsprecher angebracht; vor der Aufführung wurden noch mehr montiert, um die Musik über die deutschen Stellungen hinweg auszustrahlen (Anm.: September 1941 bis Januar 1944 dauerte die Belagerung der Stadt durch die Nationalsozialisten)…
Im schwindenden Nachmittagslicht des 9. August 1942 verfiel die hungrige Bevölkerung der Stadt in Schweigen; es war einer der dramatischsten Augenblicke in einem unvorstellbaren Krieg. ´Wir waren überwältigt von der Zahl an Menschen, dass so viele nach Nahrung, aber auch nach Musik hungerten´, sagte der Posaunist.´Einige waren im Anzug gekommen, andere von der Front. Die meisten waren mager und unterernährt.´Als es vorüber war, lauschten nicht nur die Leningrader, sondern auch deutsche Soldaten an der Frontlinie dem halbstündigen stehenden Applaus, den ein auf den Knien liegendes Volk spendete.“
 
2. Literarische Worte zu Sibirien (ebenfalls aus o.g. Buch S. 22 – 24 i.A., möglicherweise aus dem „Off“ gelesen):
 
„Sibirien ist viel bedeutsamer als eine bloße Region auf der Landkarte. Es ist ein Gefühl, das haften bleibt wie eine Klette, eine Temperatur, das Geräusch schläfriger Flocken, die auf Schneekissen sinken, und das Knirschen von hinten kommender unregelmäßiger Schritte.
Sibirien ist ein Problem der Garderobe – zu kalt im Winter, zu heiß im Sommer -, mit hölzernen Hütten und Rauchfängen, die leichengrauen Rauch in den weiten weißen Himmel rülpsen. Es ist Melancholie, eine in klaren Mondschein getauchte Kinoromanze, gemächliche Zugfahrten, mit Sackleinen umwickelte Rohrleitungen und eine an quietschenden Ketten hängende zerbrochene Schaukel. Man kann Sibirien in den großen, weichen Akkorden der russischen Musik hören, die das Schweigen des Waldes heraufbeschwören und die Schneewogen des Winters…
Sibirien: Es ist der Geschmack wilder Erdbeeren, süß wie Zuckerwürfel und in Marmelade gedünsteter winziger Fichtenzapfen. Es ist hausgemachte Hecht-Pilz-Pastete, saubere Luft und reine Natur… Ist es ein Alptraum oder ein Mythos voller undurchdringlicher Wälder und grenzenloser Ebenen, die mörderischen Weiten durchsetzt von knarzenden Ölbohrtürmen und durchhängenden Drähten? Sibirien ist das alles und noch mehr.“

(Ausgesucht von Pastorin Ulrike Kirschstein, Norden)
Weitere Elemente, die Sie in Ihrem Gottesdienst verwenden können, finden Sie unter "Weitere Materialien" und "Zeitzeugenstimmen".